Pitz Alpine Glacier Trail – mittendrin statt nur dabei

„Trailrunning auf höchstem Niveau“ lautet das Motto des Pitz Alpine Glacier Trails (kurz: PAGT), der vom 4. bis 6. August im wunderschönen Ort Mandarfen im Pitztal stattgefunden hat. Nach dem Wochenende kann ich nur sagen: der PAGT wird seinem Motto mehr als gerecht! Aber nun mal von Anfang an.

Das Glück war die letzten Wochen wohl mal auf meiner Seite und so hab‘ ich, kurz nach meinem Traildebüt im Juli, einen Startplatz für den PAGT gewonnen, genauer gesagt für die Marathondistanz inklusive Gletscherquerung. (P42 Glacier Compressport-Marathon mit 3000 Höhenmetern im Aufstieg) Danke an Snowline Spikes für den Startplatz!

So weit so gut, sind ja „eh nur“ zirka 14km, und 800hm mehr als im Stubaital. In die Vorbereitung packte ich wieder viele Bergwanderungen, Trailläufe und Stabitraining rein. Einen Schlafplatz hatte ich mir auch schnell organisiert, zwar etwas außerhalb, aber trotzdem näher als von Innsbruck hinzufahren, denn der Start war ja schon um 5 Uhr in der Früh.

Die Zeit bis zum großen Tag verging wie im Flug und dann war der 4. August auch schon da. Meine Mama ist natürlich wieder als Betreuerin von Kärnten ins Pitztal angereist und so konnten wir am Freitagnachmittag gemütlich die Startnummer abholen, die Ausrüstung kontrollieren lassen, über die Expo schlendern, das ein oder andere Goodie abholen und die „Pre-Race“-Atmosphäre genießen.

Das mehr oder weniger verpflichtende Race-Briefing für die P100, P85 und P42G – Distanzen ließ die Vorfreude und gleichzeitig Nervosität noch mehr steigen. Auf die Gletscherquerung freute ich mich schon am meisten, denn beim Stubaitrail konnte dieser Teil ja leider nicht mehr gelaufen werden. Aufgrund des schlechten Wetters unter der Woche mussten auch hier Streckenveränderungen vorgenommen werden, aber da hab‘ ich nochmal Glück gehabt, nur die 100er und 85er kamen in den Genuss einer Streckenverlängerung! Ob sie das freute oder nicht, kann ich euch leider nicht sagen!

Nach dem Race-Briefing haben wir nochmal unsere Kohlenhydrat-Speicher bei der Pasta-Party aufgefüllt und dann war es eh schon Zeit um nach Jerzens zu fahren und etwas Schlaf zu bekommen. Ich muss euch sagen, ich bin es gar nicht gewöhnt, so früh schlafen zu gehen! Aber wenn der Wecker schon um 3 Uhr klingelt, muss man da halt durch.

Start des höchsten Marathon der Alpen…

Um 3 Uhr aufzustehen ist sogar für mich als eingeschworener Earlybird viel zu früh, aber was muss das muss! Die Nervosität stieg jetzt schon langsam ins Unendliche und ich versuchte so gut es ging, ruhig zu bleiben und trotzdem etwas zu frühstücken. Nach einer Tasse Kaffee war ich dann auch halbwegs munter und nach dem letzten Rucksack-Check ging es auch schon Richtung Mandarfen. So ruhig war ich auf einer Autofahrt schon lange nicht mehr!

Im Startbereich befanden sich schon einige Läufer, aber es war dennoch relativ still – diese Atmosphäre ist einfach unbeschreiblich! Jetzt war es an der Zeit, die Startnummer anzubringen, die Stirnlampe aufzusetzen und noch einmal zur Ausrüstungskontrolle zu gehen. Das wichtigste waren eh die Stirnlampe, Erste-Hilfe-Pack und natürlich die Steigeisen/Spikes/Grödel für die Gletscherquerung. Nun füllte sich auch langsam der Startbereich, die Stirnlampen wurden aktiviert und als kleine Überraschung bekam auch noch jeder Läufer von dem Compressport-Team ein neongelbes Schweißband. Jetzt kann ja nichts mehr schief laufen! Pünktlich um 5 Uhr fiel der Startschuss für mein bisher größtes Abenteuer – mein erster Marathon und das gleich am Berg! Wenn schon, denn schon, oder? Also, „Tschüss Mama, wir sehen uns nach ca. 18km wieder in Mandarfen…“.

Die ersten 500 Meter ging es im Laufschritt die breite Forststraße entlang, bis der Weg immer schmaler wurde und uns in den Wald führte. Gottseidank hatten wir alle unsere Stirnlampen, die uns perfekt den Weg leuchteten. Auf einem schmalen, matschigen Singletrail ging es gleich mal steil über Serpentinen in Richtung Mittagskogel-Scharte. Die 1200 Höhenmeter auf den ersten 6 Kilometern hatten es wirklich in sich. Nach 30 Minuten wurde es auch schon hell und die Stirnlampen konnten wir nach der Reihe ausschalten. Leider war aber mein Anfangstempo fast etwas zu hoch, was ich dann auch mit Wadenkrämpfen zu spüren bekam. Aber was solls, immer weiter, immer höher und irgendwann hat ja bekanntlich auch der längste Anstieg ein Ende. Mittlerweile hatte sich das Starterfeld etwas zerrissen und die schnellsten Läufer waren vermutlich schon oben. Nicht nur ich stellte mir die Frage, wann dieser Anstieg endlich zu Ende ist, auch Thomas, den ich unterwegs immer wieder treffen sollte, fragte mich, wieso wir uns das eigentlich antun – wir sind ja verrückt. Leider wusste ich zu diesem Zeitpunkt auch noch keine Antwort auf die Frage. Nach langen 6 Kilometern hatten wir dann die Mittagskogel-Scharte auf 3070 Metern endlich erreicht. Die Aussicht war ein Traum und entschädigte definitiv für den steilen Aufstieg! Nebenbei hab ich auch meinen ersten 3000er bezwungen, wortwörtlich! Über Felsen ging es dann erstmal wieder abwärts zur ersten Verpflegungsstelle bei der Bergstation der Gletscherbahn und jetzt war es auch nicht mehr weit bis zur Gletscherquerung!

Etwa 10 Minuten später konnte ich meine Snowline Spikes anziehen und ich freute mich wie ein kleines Kind, über das ewige Eis zu laufen. Ohne diese wäre man, im wahrsten Sinn des Wortes, aufgeschmissen gewesen! Es war unglaublich über das Eis zu laufen und ich hatte nie das Gefühl zu rutschen, den Spikes sei Dank!

Nach der Querung ging es dann zur Abwechslung wieder aufwärts (wobei ich eigentlich gedacht habe, dass es nur mehr abwärts gehen würde…) zur Braunschweiger Hütte. Aber nichts da mit Hüttengaudi – es wartete wohl der bisher technischster Downhill auf mich. So viele Premieren auf einmal! Über Felsen, seilversicherte Passagen und Singletrails machten wir uns auf den Weg nach Mandarfen. Hier konnte ich auch wieder ein paar Plätze aufholen, da mir solche Downhills richtig Spaß machen. Auf einer breiten Forststraße ging es durch Mittelberg zurück in die Trailcity, wo auch schon meine Mama auf mich wartete, um mich mit Traubenzucker zu versorgen und die letzten Meter zur VP in Mandarfen zu begleiten.

Nach einer kleinen Stärkung und Verschnaufpause folgte der 4-Kilometer-lange Aufstieg auf den Rifflsee. Durch die aufsteigende Hitze zog sich dieser aber richtig in die Länge, doch die Sunnaalm, und somit die nächste VP, war relativ schnell erreicht und somit schon mehr als Halbzeit – meine Uhr zeigte ja bereits knappe 23 Kilometer an. Jetzt hieß es aber zuerst Speicher auffüllen, meine Flask zu füllen, denn etwas weniger als 20 Kilometer warteten ja noch auf mich. Das Angebot an den VP’s war top, von Tirola Kola, ISO, bis hin zu Käse, Wurst und Schoko war für jeden die richtige Stärkung dabei.

Am wunderschönen Rifflsee entlang konnte man jetzt die Beine etwas lockern, doch der See wurde nicht ganz umrundet bzw. umrundeten wir ihn über einen leicht ansteigenden, aber dennoch gut laufbaren Höhenweg über den Plodersee. Beim Plodersee überkam mich der Gedanke, mal kurz reinzuspringen – so eine Abkühlung hätte mir echt gut getan. Aber nein, ich lief brav weiter und beneidete die Wanderer, die ihren Füßen eine Abkühlung gönnten. Der Steig mündete in den Fuldaer Höhenweg, der mir anfangs noch richtig Spaß machte. Zwischen Kühen, weiter über flache Stücke lief es sich eigentlich echt gut. Die Aussicht war auch atemberaubend, Gletscher wohin man nur sieht!

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Der lange Fuldaer Höhenweg.

Nach ca. 35 Kilometern folgte dann aber mein erstes richtiges Tief, denn eigentlich sollte hier ja schon das Taschachhaus und somit die letzte Verpflegungsstelle sein. Aber diese lag noch in vermeintlich weiter Ferne. Nach den seilversicherten Aufstiegen wünschte ich mir nichts sehnlicher, als endlich im Ziel zu sein. Meine Beine wurden auch schon langsam müde und die Schuhe fingen plötzlich an zu reiben. Meine Speicher waren leer, Wasser musste ich zweimal am Fluss nachfüllen. Der Höhenweg wollte einfach nicht enden, obwohl das Taschachhaus schon gut sichtbar war. Nach gefühlten 10 Kilometern – eigentlich waren es eh „nur“ 3 Kilometer konnte ich mich endlich an der VP stärken. Ein Becher Tirola Kola, zwei Stück Schoko und mein Zuckerspiegel normalisierte sich wieder und die Laune stieg, obwohl es doch noch 9 Kilometer bis ins Ziel waren! Hier wurde mir erstmals bewusst, dass am Ende mehr als ein Marathon auf meiner Uhr stehen wird. Ein Ultramarathon also.
Endlich konnte ich es wieder ein wenig laufen lassen, denn nun ging es zum Glück nur noch eben durchs Taschachtal nach Mandarfen ins Ziel. Unterwegs wartete auch meine Mama wieder mit der nötigen Motivation auf mich und wir liefen die letzten Kilometer gemeinsam. Am letzten Kilometer holte mich auch Thomas wieder ein und so ließen wir es gemeinsam nochmal richtig laufen, bis er mich dann alleine davon flitzen ließ. Ich hatte plötzlich wieder richtig Energie und konnte Gas geben, wahrscheinlich wollte ich nur dem aufkommenden Gewitter entfliehen. Der Zielbogen kam immer näher und dann war er endlich da, der letzte Schritt ins Ziel! Ich konnte es kaum fassen, als mir die Medaille umgehängt wurde und ich beglückwünscht wurde. Unglaublich, nach 45 Kilometern und 3000 Höhenmetern endlich im Ziel zu sein. Das war nicht nur mein erster Marathon – sondern gleich meine erste Ultratrail-Erfahrung.

Mit dem Wetter hatte ich echt Glück, denn keine fünf Minuten später, schüttete es wie aus Kübeln. Wenigstens war der Schauer nur kurz und ich konnte endlich das lang ersehnte alkoholfreie Erdinger genießen und mich hinsetzen.

Ein besonderes Highlight war dann noch der Zieleinlauf des P100-Siegers, der kein geringerer als Gerald Sancho Fister war! Die 100 Kilometer sah man ihm überhaupt nicht an.

Der Pitz Alpine Glacier Trail war ein durchaus tolles Event, nur ein paar Kleinigkeiten wären eventuell verbesserungsfähig. Ich kann nur so viel sagen, ich komme nächstes Jahr wieder, wenn es heißt: „Trailrunning auf höchstem Niveau!“.

Gratulation an alle Teilnehmer! Wahnsinn, was wir alle an diesem Wochenende geleistet haben!

Vielen Dank an das Organisationsteam rund um den PAGT, an die vielen Helfer bei den VP’s und die Streckenposten. Und danke auch wieder an meine Mama, meine persönliche Betreuerin, fürs Warten, Motivieren und Dabei-Sein.

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Da ist sie – die verdiente Medaille. 🙂

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3 Gedanken zu “Pitz Alpine Glacier Trail – mittendrin statt nur dabei

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