Mein Traildebüt beim Stubai Ultratrail

Die Premiere des Stubai Ultratrails, die auch gleichzeitig meine Premiere sein sollte.

Vorgeschichte und Vorbereitung
„Rauf auf den Stubaier Gletscher!“, das war der Betreff der unscheinbaren E-Mail, die am 20. April 2017 in meinem, von etlichen Newslettern überfüllten, Postfach einging. Ein Wisch nach links und ich hätte sie beinahe gelöscht, die wichtige E-Mail, die der Startschuss für mein wohl bisher größtes sportliches Abenteuer sein sollte. Im letzten Augenblick habe ich dann den Betreff erst richtig wahrgenommen und die Nachricht genauer gelesen. Absender war der „Runner’s World Laufhelden – Club“. Kurz und knapp stand da, dass ich einen Freistart für den Stubai Ultratrail gewonnen hätte. Abschließend wünschten sie mir eine gute Vorbereitung und viel Erfolg für das Rennen. Ha, die sind ja witzig – ich als Trail-Rookie soll da teilnehmen, naja mal abwarten, der Veranstalter sollte sich ja zeitnahe mit mir in Verbindung setzen. Bereits vier Tage später erreichte mich dann die E-Mail von PLAN B mit dem Gutscheincode und ich konnte mir dabei die Distanz (Basic oder Ultra) aussuchen. Mir war schon von vornherein klar, dass ich nur den Basic laufen würde – 28,6 km mit 2522 hm würden mir für mein Traildebüt auf alle Fälle reichen! Zu diesem Zeitpunkt war ich mir aber immer noch nicht zu 100% sicher, ob ich mir den Stubai Trail überhaupt zutraue. Mein erstes Trailrennen und das gleich auf den Gletscher?! Aber nach langem hin und her, Abwägen der Risiken (Wie hoch ist das Risiko eigentlich in eine Gletscherspalte zu rutschen?) und ein paar Trainingsläufen, hatte ich den Entschluss gefasst, den Basictrail in Angriff zu nehmen. Mir blieben dann also noch etwas weniger als 60 Tage, um für das Rennen zu trainieren. Zwei Monate sind nicht viel und diese Tatsache machte mich umso nervöser. Nun standen an fast jedem Wochenende Bergtouren und Trailläufe am Plan. Ich habe ja zum Glück den Vorteil, in Tirol zu wohnen, die Berge vor der Türe zu haben und ich war schon immer gerne in den Bergen unterwegs. Unter der Woche blieb dann noch genug Zeit für kürzere Laufeinheiten und auch Kraft- und Stabilitätstraining durfte nicht fehlen. Ich merkte, wie ich schneller und stärker wurde und mir die Aufstiege leichter fielen. Während meiner Vorbereitungszeit bin ich den ersten Teil der Basictrail-Strecke sogar zweimal gelaufen und ab da wusste ich, dass ich es zumindest bis Mutterberg schaffen würde.

Die Zeit verging wie im Flug und so war es bald nur noch genau eine Woche bis zum Start der Premiere des Stubai Ultratrails. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie nervös ich zu diesem Zeitpunkt schon war. Das Training habe ich etwas zurück geschraubt und auf kurze Laufeinheiten, Stretching und Stabi-Training reduziert. Ich wollte ja gut erholt an den Start gehen!

Das Wochenende
Einen Teil hab ich euch aber noch gar nicht verraten! Ich habe nicht nur den Startplatz gewonnen, sondern auch zwei Nächte inkl. Halbpension im 3-Sterne Hotel Angelika in Neustift. Am 30. Juni chauffierte mich meine Mama, als persönlicher Coach, nach Neustift und ich konnte im Hotel einchecken. Das Hotel Angelika ist ein richtig nettes familiäres Hotel direkt im Zentrum des Ortes und so sollte ich es am nächsten Morgen auch nicht weit zum Start haben. Was für ein Luxus!

Im Freizeitzentrum konnte ich endlich meine Startnummer entgegennehmen und nach ein paar Fotos und einem Spaziergang durch den Ort, ging es zurück ins Hotel, wo ein leckeres Abendessen auf mich wartete. Die Pastaparty hab ich dafür gerne ausgelassen. Während sich meine Mama zurück auf den Weg nach Innsbruck machte, machte ich mich auf zum „Sicherheits- und Streckenbriefing“. Das Spannendste daran war wohl der Wetterbericht, denn der versprach nur Mittelmäßiges. Regen in der Nacht, dafür einen sonnigen Vormittag und schlechtes Wetter am Nachmittag. Könnte schlimmer sein oder? Regenjacke, lange Wechselkleidung und meine Snowline-Spikes waren ohnehin verpflichtend und schon gut verstaut im Laufrucksack. Für das Wetter waren wir somit gut ausgerüstet!

Raceday!
Bereits um 6 Uhr wurde ich von Musik, klatschenden Zuschauern und dem Traben der Ultraläufer geweckt. Von meinem Balkon aus hatte ich die perfekte Sicht auf einen Teil der Strecke und ich ließ es mir nicht nehmen, noch halb verschlafen und im Pyjama, ein paar Läufer anzufeuern. Noch waren es drei Stunden bis zu meinem Start und ein Kribbeln breitete sich in mir aus. Zwei Tassen Kaffee und zwei Frühstücksbrötchen später war ich dann bereit. Bereit für mein erstes Trailrennen, bereit für eine tolle Erfahrung, bereit für jeden Anstieg!

Im Startbereich erwartete mich auch schon meine Mama. Nach der Ausrüstungskontrolle (puh, was da alles mit muss…) und den wichtigsten Streckeninfos konnte es bald losgehen. Ein bisschen enttäuscht war ich schon, dass es wegen des Wetters für uns nicht ganz hinauf die Jochdohle gehen sollte. Aber Sicherheit geht auf jeden Fall vor!

Nach einer letzten Umarmung von meiner Mama und ein paar motivierenden Worten, ging es im Takt zu „Highway to hell“ los. Ich versuchte von Anfang an, mein Tempo zu laufen – ja nicht überpacen lautete meine Devise. Der erste Anstieg folgte nach den ersten 500 Laufmetern und damit auch gleich der erste Stau, bis es nach dem Anstieg etwas breiter wurde und das Läuferfeld sich aufteilte. Ich fand gleich meinen Rhythmus und genoss den Lauf von der ersten Sekunde an. Auf einem einfachen Trail ging es gleichmäßig auf und ab, und die ersten 10 Kilometer vergingen wie im Flug. Ich war aber froh, dass ich die Strecke schon kannte und genau wusste, wo ich besser meine Kraft spare und wo ich Gas geben kann.

Bei der ersten Verpflegungsstelle, der Doadler Alm, sah ich schon von weitem meine Mama und sie hatte sogar ein Plakat vorbereitet: „Go Carina, Go! Der Berg ruft!“ Na, wenn das keine Motivation ist! Da der Hunger nicht groß war, füllte ich meine Flask mit frischem Wasser und nach einem Stück Brot ging es auch gleich schon weiter. Ein steiler Aufstieg durch den Wald führte uns zur Bsuchalm, dem folgte aber gleich wieder ein Downhill bis zu einem Fluss, der gar nicht so leicht zu überqueren war. Nass wollte ich nicht unbedingt werden und zum Springen war er fast zu breit. Glücklicherweise konnte mir ein nachkommender Läufer bei der Überquerung helfen und ich schaffte es trocken auf die andere Seite. Toll, wie man sich bei Trailläufen gegenseitig immer wieder hilft!

Nach ein paar weiteren Anstiegen und kurzen Downhills folgte bald der Einstieg in den wunderschönen „Wilde-Wasser-Weg“. Vorbei an den tosenden Wasserfällen, durch den Ruetz Katarakt, erreichte ich bald die nächste Verpflegungsstelle, die Tschangelair Alm, und war verwundert über mich selbst wie gut es lief. Die Beine fühlten sich noch super an und von Müdigkeit war keine Spur.

Danach kam wohl einer der schönsten Abschnitte der Strecke, der Grawa Wasserfall. Die letzten zwei Kilometer bis zur Talstation Mutterberg waren mit ihren leichten Anstiegen locker zu laufen und man konnte ein bisschen Tempo machen. An dieser Stelle wurde mir aber auch bewusst, dass bald der letzte „zache“ Anstieg auf mich wartete. Fast 1500 Höhenmeter auf einer Strecke von 8 Kilometern, das kann was werden!

21 Kilometer hatte ich bereits bei der Talstation geschafft und es kam mir vor, als wär ich erst vor kurzem losgelaufen. Die Zeit vergeht bei solchen Trailläufen wie im Flug – gibt ja auch immer viel zu sehen und konzentrierter als sonst muss man ohnehin sein! Bei der Talstation passierte ich den Medical Check, ich sah offensichtlich fit genug aus und wurde nur in die VP reingeschickt, um etwas zu essen und zu trinken. Da es jetzt nur mehr steil nach oben gehen würde, packte ich meine Stöcke aus, füllte meine Speicher und schon ging es über steile Serpentinen hinauf zur Dresdner Hütte. Wie lustig das aussah, wenn alle Läufer im Gänsemarsch nach oben marschieren. Auf der Strecke traf ich auch immer wieder Läufer, die mich zu Beginn überholt hatten oder mit denen ich ein paar Kilometer zusammen gelaufen bin. Es herrschte durchgehend eine super Stimmung.

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Wir sehen uns bei der Dresdner Hütte!

Das Wetter wurde jetzt leider zunehmend schlechter und der Anstieg zog sich in die Länge. Nach einer guten Stunde tauchte dann aber doch noch hinter Nebel die Dresdner Hütte auf. Die Pause hier war deutlich länger, denn es war Pflicht, sich lange Kleidung anzuziehen. Die Verpflegung hier war natürlich auch top! Brot, Käse, Gurken, Obst, Riegel, Suppe und Getränke, in Summe alles, was das (Trail-) Läuferherz begehrt.

So, jetzt war das Ziel nicht mehr weit, nur mehr knappe vier Kilometer und etwa 600 hm trennten mich von der Eisgrat-Station. „Bis gleich!“, rief ich meiner Mama noch zu, die den bequemeren Weg über die Seilbahn wählte. Gleich würden wir uns wohl nicht sehen, denn die schlappen vier Kilometer hatten es ordentlich in sich und der rutschige, matschige Boden vereinfachte diesen Umstand nicht. Lachen konnte ich aber trotzdem noch und den Läufern, die ich überholte, sprach ich Mut zu: „Bald habmas gschafft!“. Ich weiß nicht, ob ich sie damit motivieren oder nur mich selbst überzeugen wollte.
Bei den Fotografen hab ich natürlich nochmal mein schönstes Lächeln aufgesetzt und gemeinsam mit ihnen gejubelt.
sportograf-102739363Der Schneefall wurde stärker, die Luft wurde dünner und über die lange Kleidung war ich jetzt doch froh. Die letzten Wanderer und Streckenposten sprachen mir Mut zu: „Nur mehr 10 Minuten – da oben is‘ es, das Ziel!“ Ein kurzer Blick auf die Uhr und ich realisierte, dass ich es ja noch unter sechs Stunden schaffen konnte. Also hab ich nochmal alle Kräfte mobilisiert, die Zähne zusammengebissen und bin marschiert was das Zeug hielt. Nach der letzten Kurve erwartete mich auch endlich meine Mama mit Plakat und auch sie wusste, dass ich es schaffen konnte, unter sechs Stunden zu bleiben. „Geht schon Carina, im Ziel gibt’s Glühwein und Kaiserschmarrn“, rief mir ein Zuschauer vom Streckenrand zu. Danke für diese letzte Motivation!
Der Zielbogen kam endlich näher und ich zwang mich, noch die letzten Meter über den Schnee zu laufen.

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Die Arme und Stöcke in die Höhe gerissen, lief ich durch den Zielbogen und ließ mir überglücklich die wunderschöne und hart erkämpfte Medaille um den Hals hängen.

Natürlich hab ich mir dann noch mein verdientes Finishershirt abgeholt, mich umgezogen und mir den versprochenen Kaiserschmarrn gegönnt, bevor es zurück ins Tal ging, wo ich den Abend mit meiner Mama bei einem leckeren Abendessen im Hotel verbracht habe.

Erst am nächsten Morgen, nach einem Spaziergang, konnte ich es richtig realisieren. Ich habe die Premiere des Stubai Trails erlebt und bin eine Finisherin! Ich habe den Gletscher bezwungen und bin dabei über mich selbst hinaus gewachsen. Es war teilweise hart und mit einer längeren Vorbereitungszeit wär mir der ein oder andere Abschnitt sicherlich leichter gefallen, aber es war ein gewaltiger Lauf und ich habe ungelogen jeden Kilometer und Höhenmeter vollends genossen.
Ich habe jetzt Blut geleckt und bin nächstes Jahr sicher wieder am Start (vielleicht diesmal beim Ultra?).

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I’m a finisher!

Abschließend möchte ich mich bei Runner’s World Laufhelden für den Startplatz und bei PLAN B event company für die optimale Organisation, Verpflegung und Unterstützung bedanken. Ein großes Dankeschön an den Tourismusverband Stubai Tirol für die großartige Unterkunft im Hotel Angelika. Danke dabei an die Familie Stern – ich komme gerne wieder!
Das größte Dankeschön gilt wahrscheinlich meiner Mama, die mich schon im Vorfeld bei meinem Training unterstützt, mit mir die Berge erklommen und mir meine Nervosität immer wieder genommen hat. Danke, dass du bei jeder Verpflegungsstelle motivierende Worte hattest und dich im Ziel mit mir gefreut hast.

Gratulation auch an alle Läufer, egal ob Ultra- oder Basictrail, ihr habt den Stubai Trail 2017 alle gerockt und ihn zu einem unvergesslichem Erlebnis gemacht! Ich freue mich auf nächstes Jahr!

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